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Déjà-vu in Estaing. Fortsetzungsroman 9

Kapitel 9

Ich bin verblüfft. Magdalena sieht mir lächelnd ins Gesicht, ohne auf meine Frage einzugehen, dann dreht sie sich um und führt mich ins Haus.

„Das ist ja eine Überraschung. Kann ich dir etwas zu trinken anbieten?“, fragt sie, mit deutlicher Lust am Flirt, und bleibt vor mir stehen.

„Einen Schluck Wasser vielleicht … das wäre wunderbar.“

„Keinen Whiskey Sour oder vielleicht ein Glas Rotwein?“, fragt sie mit unverkennbarer Ironie.

„Das weißt du noch? Um diese Tageszeit lieber nur Wasser.“



„Du siehst gut aus, reifer, als wäre die Zeit spurlos an dir vorübergegangen. Wie viele Jahre ist es nun her, seit wir uns auf die Füße getreten sind?“, fragt sie etwas aufgesetzt lachend, als spiele sie eine Rolle vor Publikum.

„Es muss Mitte der 90er-Jahre gewesen sein. Wann starb noch einmal Freddie Mercury?“

„Im November 1991. Ich weiß es deswegen so genau, weil ich auf einer Tagung in Köln war und am Abend im Hotelzimmer Nachrichten geguckt habe. Aber diese wunderbare letzte CD mit „Made in Heaven“ und „I Was Born to Love You“ kam erst ein paar Jahre später heraus. Ich glaube 1995“, erklärt sie nachdenklich.

„Du hast diese CD ständig gespielt.“

„Sie berührt mich heute noch ganz stark. Man spürt in den Liedern, dass Freddie Mercury sich verabschiedet. Die Songs sind nicht einfach sentimental, sie sind traurig.“

Ich bin immer noch fassungslos. Wie konnte es sein, dass ich dieser Frau vor fast 20 Jahren begegnet bin, ohne zu ahnen, durch welch tragische Verstrickungen wir miteinander verbunden sind. Es ist irgendwie beängstigend.

„Und du wusstest nicht, dass ich Hagen kannte?“, frage ich skeptisch, ungläubig.

„Wie hätte ich es wissen können. Wir beiden kannten ja kaum unsere Vornamen. Schließlich hatten wir weiß Gott andere Dinge im Kopf, nicht wahr?“, bemerkt sie frivol, während sie in die Küche geht und eine Karaffe Wasser und Gläser holt. „Es waren jedenfalls zwei bemerkenswerte Tage,“ wirft sie leicht hin und sieht mich an, als wolle sie prüfen, welche Wirkung ihre Worte auf mich haben.

„Ich weiß nur, dass mich riesige Gewissensbisse wegen Katharina plagten. Sie war mit unserer Tochter Lilli, die gerade ein paar Monate alt war, nach Salzburg zu ihren Eltern gefahren. Und ich war zu Hause geblieben, weil ich unbedingt diese grandiose Fotoausstellung im Haus der Kunst besuchen wollte. Und da bist du mir buchstäblich auf die Zehen getreten.“ Jetzt muss Magdalena laut lachen. Wir waren wie zufällig hintereinander vor einem Bild gestanden, ohne aufeinander zu achten, als sie plötzlich einen Schritt zurückgemacht hatte und mir mit einem Absatz auf die Füße gestiegen war. Sie hatte sich entschuldigt, wir hatten kurze, intensive Blicke ausgetauscht, und ich hatte sie unbeholfen auf einen Cappuccino eingeladen, wir waren ins Gespräch gekommen, hatten dabei festgestellt, dass uns ein ähnlicher Kunstgeschmack verband – und wir wussten in diesem Augenblick, dass dieses zufällige Aufeinandertreffen Wirkung haben würde. Lena war nur wegen dieser Ausstellung nach München gekommen und von einem Bekannten in letzter Minute versetzt worden. Sie hatte etwas verloren die wunderbaren Fotos betrachtet. „Du hast dich damals Lena genannt?“

„Ja, nur Hagen nannte mich Magdalena. Das war so eine Marotte von ihm, sprachlich immer alles exakt nach dem Buchstaben, ganz im Gegensatz zu seinem künstlerischen Schaffen. Er wäre nie auf die Idee gekommen, meinen Namen

Josch 15.01.2017, 00.00

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