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Partys in den späten 1960er-Jahren

Partylook in den 1960er-Jahren

Vor Kurzem stieß ich beim Stöbern in alten Ordnern und Fotoalben auf Fotos aus den späten 1960er-Jahren. Fotos von einer Party, die wir bei einem Mädchen aus unserer Clique – so nannten wir damals unseren engeren Freundeskreis – feierten, deren Eltern offenbar an dem Wochenende nicht da waren und die ihrer Tochter erlaubt hatten, eine Party zu feiern. Auch damals feierten Jugendliche Feste – oder eben Partys, wie wir es nannten –, zumal, wenn die Eltern nicht da waren. Allerdings kamen damals keine ungeladenen, unerbetenen Gäste, die von dem „Event“ zufällig auf Facebook erfahren hatten. Facebook „war“ noch nicht.




Ungebetene Gäste Fehlanzeige

Das Fest artete meiner Erinnerung nach auch nicht aus. Es wurden keine wertvollen Skulpturen in den Swimmingpool geworfen, wie es einem 16-jährigen Mädchen vor einigen Monaten passiert ist, die ihre Geburtstagsparty auf Facebook angekündigt hatte und die sich dann gegen fast hundert Jugendliche wehren musste, die, ohne eingeladen worden zu sein und die sie zum größten Teil nicht einmal kannte, auf der Fete erschienen waren und zu später Stunde das Haus verwüsteten. Das Mädchen musste die Polizei rufen, die die Vandalen unter großem Einsatz zur Ruhe brachte und einige der Randalierer sogar festnehmen musste, um dem Tumult ein Ende zu bereiten. Die Verursacher der mutwilligen Zerstörungen konnten jedoch nicht einwandfrei ermittelt werden.


Feiern im Partykeller

Nein, solche Überraschungen gab es bei unseren Festen nicht. Was nicht heißen soll, dass es bei unseren Festen still und erbaulich zugegangen wäre, wenngleich man das vermuten könnte, wenn man sich diese Fotos ansieht. Die Jungen trugen bei dieser Party allesamt Anzug mit weißem Hemd und Krawatte. Das ist schon erstaunlich. Ich habe versucht, mir die Feste und Partys von damals ins Gedächtnis zu rufen. Wir feierten nämlich relativ viele Partys. Das lag auch daran, dass einige Eltern von Jugendlichen aus unserer Clique sogenannte Partykeller hatten, die damals hoch im Kurs standen. Die waren meistens stereotyp mit Bar, Sitznischen und Stereoanlage ausgestattet. Hier konnte man abgeschieden von der Außenwelt, unter diskreter Aufsicht der Eltern – die natürlich nicht im Partykeller anwesend waren – weitgehend ungestört schwofen, tanzen, trinken, schmusen und reden.


Ein Hauch Studentenrevolution in der Provinz

Aber tatsächlich waren wir damals ziemlich gesittet gekleidet, wenngleich die Röcke der Mädchen ziemlich kurz und die Haare der Jungen relativ lang waren. Das passte auch irgendwie zu der gerade bis in die letzten Winkel der Republik vordringenden Revolution der Jugend, den Studentenunruhen, die wir staunend am schwarzweiß Fernseher verfolgten und die uns ängstlich animierte, ein klein wenig von dem revolutionären Geist in die kleinstädtische Idylle zu übertragen. Aber Anzug und Krawatte musste sein. Noch in den 1970er-Jahren gibt es Fotos von einer kleinen Geburtstagsfeier, die mein wesentlich älterer Bruder in seiner Wohnung für mich ausrichtete, bei der alle Beteiligten sittsam gekleidet um den mit Getränken und Häppchen vollgestellten Tisch sitzen und offensichtlich miteinander reden. Ich erinnere mich allerdings, dass ich anschließend mit meiner Begleiterin noch in eine ziemlich dunkle Diskothek gegangen und mit ihr bis in die frühen Morgenstunden unterwegs gewesen bin. Natürlich mit schön gebügeltem Hemd und Krawatte. Meine hübsche Begleiterin trug einen hellen Minirock und einen Rollpulli. Wenn es nicht diese Fotos gäbe, hätte ich mich natürlich nicht mehr daran erinnert.


Rauchen, trinken, schwofen

Geraucht wurde auch ziemlich viel, und natürlich haben wir auch Alkohol getrunken, bevorzugt weißen Martini oder Whiskey mit Cola. Wenn man einmal von der Kleidung, der übersichtlichen Teilnehmerzahl, den Getränken und von sonstigen Genussmitteln absieht, dürften sich die Unterschiede dieser Partys damals von heutigen Feten in Grenzen halten. Gut, Selfies konnten wir aufgrund der damals noch nicht vorhandenen Technik nicht posten. Aber es wurde auch schon mal fotografiert, allerdings eine anonyme Öffentlichkeit dabei vollkommen ausgesperrt. Ohne bewerten zu wollen oder irgendwelche moralische oder fantasierte Gefahren zu beschwören: Ich finde bei allen Problemen, die die digitale Welt mit sich bringt, dass das Internet unser Leben in vielen Bereichen enorm bereichert und erleichtert. Das heißt nicht, dass ich vor der Gefahr des „gläsernen Menschen“ die Augen verschließe. Wenn man sich der Gefahren bewusst ist, kann man mit dem Medium Internet auch einen differenzierten Umgang lernen. Damals wie heute gab es natürlich auch Feste, die aus dem Ruder gelaufen sind. Strukturell aber hat sich bei den Jugendlichen von damals und jenen von heute nicht so sehr viel verändert, wie mir scheint. Und das ist doch auch sehr ermutigend, wie ich meine. Zumindest sehen sich die jungen Leute heute nicht mehr genötigt, auf private Partys mit Anzug und Krawatte zu gehen. Das ist doch schon ein Vorteil.

Foto von Maurício Mascaro von Pexels

Josch 06.05.2018, 21.32

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