Einfach zum Nachdenken

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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Nachgedacht

Minderwertigkeit und Größenwahn

Über Minderwertigkeit und Selbstüberschätzung

Beim ziellosen Schmökern in alten Büchern am grauen Oktobersonntag stieß ich auf den Satz von Eleanor Roosevelt: „Niemand kann dir das Gefühl der Minderwertigkeit geben ohne deine Zustimmung.“ Das Zitat ließ mich nicht mehr los. Ich überlegte, in welchen Situationen ich mich minderwertig fühle oder fühlte. Mir fiel die Schule ein. Vor allem in der Grundschule gab es häufig Situationen, in denen ich mich minderwertig fühlte, was sowohl vom Lehrer als auch von Mitschülern verursacht war. Vom Lehrer, wenn ich etwas nicht wusste, nicht gelernt hatte oder wenn der „Pädagoge“ mich mit anderen, besseren Schülern meiner Klasse verglich. Und Mitschüler lösten häufig Minderwertigkeitsgefühle in mir aus, wenn im Sport zwei Mannschaften gewählt wurden und ich zu den letzten Kandidaten gehörte, die man notgedrungen nehmen musste. Dieses furchtbare, diffuse Gefühl kann ich selbst heute noch, knapp 60 Jahre danach, ganz gut nachempfinden. Mit dem Minderwertigkeitsgefühl ging das Gefühl der Ablehnung einher. Ich überließ es den Mitschülern, sich über mich zu erheben. Kinder sind diesbezüglich rigoros. Da zählt häufig nur der Starke, der Champion, der Star. Bei manchen Ballspielen gehörte ich eben nicht zu den Starken. Und ich hatte in diesen Sportarten auch kein Idol, weil mich damals Mannschaftssport nicht besonders interessierte.

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Josch 29.10.2018, 17.21 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zweifel frisst Selbstsicherheit

Plädoyer für die Unsicherheit

Mich überfallen häufig Zweifel. Dann stelle ich (fast) alles in Frage und auf den Kopf. Oft erfolgt der Angriff ganz unvermittelt, unerwartet, wie ein Überfall im Dunkeln, aus dem Nichts, meistens dann, wenn ich allein bin mit mir, wenn ich nicht unter eigener „intellektueller Aufsicht“ stehe, mich dem Nichtstun hingebe, einfach nur dasitze und überlege. Manchmal schleicht sich der Zweifel aber auch ganz langsam und gemächlich an mich heran, konfrontiert mich zum Beispiel mit einer Äußerung eines Bekannten, einer Kollegin, eines Freundes. War es wirklich so gemeint, wie es gesagt wurde? Oder sagte sie es nur, um mich zu beruhigen, mir schön zu tun, mir Honig ums Maul zu schmieren oder um mich bzw. das lästige Thema loszuwerden?

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Josch 15.10.2018, 13.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Empathie: Was ist das?

„Echtes Mitgefühl kann sich nur im Alltagsleben äußern“

Nach Ansicht von Manfred Spitzer, Professor für Psychiatrie in Ulm, sind immer weniger (junge) Menschen zur Empathie fähig. Vereinfacht gesagt, begründet er dies damit, dass sie aufgrund ihrer permanenten Präsenz im Netz nicht mehr unmittelbar und direkt erleben, sondern nur noch über ein Medium. Dadurch verlieren sie, so Spitzer, wenn ich ihn richtig verstanden habe, das Gefühl für Menschen und ihre Probleme. Der Psychiater und Neurologe äußerte dies vor Kurzem in einem Interview im Fernsehen. Spitzer, den ich aufgrund verschiedener Vorträge und Publikationen sehr schätze, ließ mich betroffen und verunsichert zurück. Nicht dass ich alles, was der hochrenommierte Wissenschaftler von sich gibt, ohne nachzudenken glauben würde. Aber zum Nachdenken brachte es mich schon.

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Josch 01.10.2018, 14.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Unser autobiografisches Gedächtnis

Bilder, Gerüche und Musik, die Erinnerungen wecken

Es gibt Orte, Situationen, Begegnungen und sinnliche Erfahrungen, die Jahre später immer noch eine geheimnisvolle Kraft haben und starke Gefühle auslösen. Manche Menschen sprechen von Kraftorten mit magisch-mystischer Wirkung, was immer das bedeuten mag. Zweifelsohne sind manche Kirchen nicht zufällig an Stellen erbaut, an denen bereits die Kelten Kultstätten angelegt hatten. Ob diesem Ort aber auch heute noch eine geheimnisvolle Kraft innewohnt, liegt meines Erachtens an mir selbst, an meiner Einstellung, meinen Gefühlen, die ich mit diesem Ort verbinde.

Ein solcher Ort ist für mich zum Beispiel der Petersberg im Landkreis Dachau und die romanische Basilika, die eine der bedeutendsten romanischen Kirchen Altbayerns ist. Ich kam als Siebzehnjähriger erstmals auf den Petersberg zu einer Spielwerkwoche. Die Anreise mit dem Zug dauerte für mich über vier Stunden. Dementsprechend beeindruckt war ich dann von der gesamten Anlage, die wie geschaffen ist, ruhig zu werden, sich ganz auf diesen Ort und mich zu konzentrieren und sich auf das, was dort geschieht, einzulassen.

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Josch 02.09.2018, 09.53 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Influencer oder Inspirator?

Ich bin kein Influencer

Ich bin kein Influencer, wenngleich es schon was hat, jemanden zu beeinflussen. Ich will es zugeben. Beeinflussung ist ein ambivalentes Geschehen. Würden wir uns nicht beeinflussen lassen, lernten wir nichts dazu. Die ersten Influencer sind die Eltern, die Geschwister, dann kommen die Kinder im Kindergarten hinzu, die Kindergärtnerin, die Lehrerinnen und Lehrer, die Mitschüler, die Freunde, die Studienkollegen, die Professoren oder die Arbeitskollegen, der Chef, der Meister, die Medien, die Journalisten und Politiker, die Konsumwelt und nicht zuletzt die Freundin oder der Freund, der Ehepartner, und dann die eigenen Kinder. So schließt sich dann der Kreis. Irgendwie sind wir alle Influencer, die von Influencern umgeben sind. Und dennoch bin ich kein Influencer. Ich habe ja keine Kosmetik anzupreisen, wie zum Beispiel Bibi, keine Kleidung, wie Stefanie Giesinger, kann keine Ernährungs- und Kochtipps geben wie Saliha Özcan, und ich weiß vom Leben zu wenig, um das Interesse der Menschen auf mich zu ziehen.

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Josch 19.08.2018, 14.05 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Leben im Hier und Jetzt

Sich im Labyrinth des Lebens zurechtfinden

„Sieh diesen Tag, denn er ist Leben, ja, das Leben selbst…“ heißt es bei Kalidasa, einem indischen Dichter. „In seinem kurzen Lauf, liegt alle Wahrheit, alles Wesen deines Seins.“ Das klingt einfach, logisch, ja geradezu banal. Warum sollte man sich also damit beschäftigen? Kalidasa hat diesen Gedanken bereits vor mehr als 1.500 Jahren formuliert. Aber offenbar ist das Problem bis heute aktuell. Wie sonst ist es zu erklären, dass ein Buch wie „Jetzt“ von Eckhart Tolle seit seinem Erscheinen vor acht Jahren zu den Bestsellern zählt. Allem Anschein nach braucht das Leben im Hier und Jetzt Anleitung und Ratschlag, wie es gelingen kann.

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Josch 12.08.2018, 11.03 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Zu Fuß über die Alpen: ein Selbstfindungsprozess

Natürlich entschleunigen: zu Fuß über die Alpen

Es begann ziemlich entspannt: Nach etwa zehn Minuten Fußweg zum Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen ging es zunächst mit der „Vintage“-Seilbahn auf den Eckbauer. Die winzigen Gondeln erinnern mich an alte Fahrgeschäfte auf der oiden Wiesn. Oben angekommen, machen wir unsere erste Wanderung an Schloss Elmau vorbei nach Mittenwald. Es soll etwas leichter losgehen, und dennoch sind es am Ende 15 ½ km, 550 Meter hinauf und 700 Meter hinunter. In Mittenwald belohnen wir uns erst einmal mit einem Eis, bevor wir mit dem Bus zu unserer ersten Unterkunft fahren.

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Josch 20.07.2018, 18.09 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Traurige Zeiten

Zeit der gnadenlosen Jäger

In den letzten Wochen gab es in Deutschland offenbar nur zwei wichtige Themen: das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft und der Machtkampf in der Union. Gut, das Scheitern der Mannschaft in Russland lässt sich irgendwie nachvollziehen. Millionen Zuschauer haben den Untergang der glorreichen Weltmeister von 2014 aufgrund der vielen Nahaufnahmen, ich möchte fast sagen: hautnah miterlebt. Und Millionen Hobbybundestrainern wäre das nicht passiert.

Was sich aber in der CDU/CSU in den vergangenen Wochen abspielte, lässt den Zuschauer entgeistert zurück. Man sitzt vor dem Fernseher oder schlägt die Zeitung auf und bringt vor Fassungslosigkeit den Mund nicht mehr zu: Da schwingt sich ein grauhaariger Mann mit leicht gebeugtem Rücken auf und spielt den gnadenlosen Jäger, ganz ohne Gewehr, dafür mit einem Altersstarrsinn, wie er in dieser Intensität kaum zu überbieten ist.

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Josch 05.07.2018, 12.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Schluss mit der freien Meinungsäußerung!

Schluss mit der freien Meinungsäußerung!

Ich muss noch einmal auf Özils und Gündogans bedauerlichen PR-Termin in London zurückkommen, bei dem die beiden deutschen Nationalspieler dem türkischen Despoten Trikots ihrer Arbeitgeber überreicht haben und bei dem Gündogan sein Trikot mit „Für meinen Präsidenten“ signiert hat. Nun haben die Fans Gündogan beim Spiel Deutschland gegen Saudi-Arabien bei jedem Ballkontat ausgepfiffen. Und das hat den Bundestrainer Joachim Löw auf die Palme gebracht. Irgendwann müsse doch damit Schluss sein, forderte er. Ein Mensch wie Löw, der in der Öffentlichkeit steht und nicht wenig Einfluss hat, fordert von den deutschen Fans, dass es jetzt genug ist und dass sie endlich mit der Pfeiferei auzufhören haben. Dieses Argument kennen wir in Deutschland sehr gut. Es hat bei uns schon eine lange Tradition. Schluss damit! Schluss mit der Aufklärung! Wo kämen wir da hin, wenn jeder seine Meinung kundtun wollte!



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Josch 12.06.2018, 14.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Seelischer Mülleimer

Seelischer Mülleimer für andere? 

Kennen Sie auch Menschen, die auf die einfache Frage: „Wie geht es dir?“, sofort zu jammern anfangen und des Langen und Breiten von ihren Krankheiten oder ihrem Unglück erzählen? Da möchte man am liebsten auf dem Absatz kehrt machen und die Flucht ergreifen. Oft brechen ganze Kaskaden an Klagen über einen herein, die einen staunen und stumm werden lassen. Dieses Lamentieren ist auch deswegen unangenehm, weil man ja nichts zur Besserung beitragen kann und es einen so hilflos aussehen lässt. Und irgendwie wird man dadurch auf sich selbst zurückgeworfen. Vielleicht geht es einem gerade selbst nicht besonders gut. Und ausgerechnet dann läuft einem jemand mit einem Rucksack an Problemen über den Weg. Schauderhaft.

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Josch 31.05.2018, 22.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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