Einfach zum Nachdenken

- Einfach zum Nachdenken - DesignBlog

Ausgewählter Beitrag

Reich sind nur die, die wahre Freunde haben (Fuller)

Kein Weg ist lang, mit einem Freund an der Seite

(japan. Sprichwort)

»Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen«, war ein Sinnspruch der Studentenbewegung in den 1960er-Jahren. Ist der Satz nicht auch eine Voraussetzungen für eine gelingende Freundschaft? Wir träumen von einer Gemeinsamkeit, die uns Kraft verleiht, die uns stark macht, die in gewisser Weise ein energetisches Feld darstellt, ohne das es keinen Antrieb, keinen Neubeginn, kein Risiko, keinen Glauben an das Unbedingte gäbe. »Bergkriterien« einer Freundschaft, die sich immer wieder bewähren müssen, die immer wieder zeigen müssen, was es mit der Freundschaft auf sich hat.



Stationen einer echten Freundschaft

Ohne tiefes gegenseitiges Vertrauen ist Freundschaft nicht möglich, ohne einander zu glauben, kommt es zu keinem ehrlichen Austausch, der für eine Freundschaft unabdingbar ist. Ohne gegenseitige Hilfe ist Freundschaft eine Worthülse, ein distanziertes Nebeneinanderher.

Wir durchlaufen unterschiedliche Stationen der Freundschaft. Wenn wir im Kindergarten, eventuell durch unsere Eltern unterstützt, unsere ersten Freundschaften eingehen, haben sie etwas von der frühkindlichen Wiedererkennung: Wir erkennen unseren Freund an seinem Gesicht, an seinem Geruch, an seiner Stimme. Und wir stellen uns auf den Freund bzw. die Freundin ein. Im Kindergarten ist es bereits die ganz bewusste Wahl, mit wem ich zusammen sein will und mit wem nicht. Oft ist die Freundschaft auch durch gegenseitige Ergänzung gekennzeichnet. Mit meinem Freund zusammen bin ich stark, mit ihm schütze ich mich vor den Angriffen der anderen, gemeinsam erfüllen wir Aufgaben, die jeder einzelne allein nicht schaffen würde. Diese erste Freundschaft ist wie eine Zweckgemeinschaft. Gibst du mir, was ich von dir brauche, gebe ich dir, was du von mir willst.

Manchmal wachsen solche frühkindlichen Zweckbündnisse zu echten Freundschaften heran. Wir sprechen nicht umsonst von der »Sandkastenfreundschaft«.

Oft verlieren sich die Sandkastenfreunde und -freundinnen nach dem Kindergarten wieder aus den Augen, vielleicht weil die beiden in jeweils andere Schule wechseln und sich dort neue Freundschaften aufbauen oder weil sich ihre Interessen ändern. Vielfach liegt es auch an den Eltern, die den weiteren Weg mit dem Freund bzw. der Freundin bestimmen, wenn sie zum Beispiel durch einen Arbeitsplatzwechsel umziehen müssen oder wenn sich die Eltern trennen.

 

Wie Freundschaften entstehen

Auch durch neue „Anspielstationen“ entstehen neue Freundschaften: in der Schule, im Hort, auf dem Spielplatz, in der Nachbarschaft. Nun beginnt das Kind bereits sehr individuell, sich seine guten und besten Freundinnen und Freunde auszusuchen. Dieser Selektionsprozess ist von der Intensität der gemeinsamen Interessen geprägt. Diese gemeinsamen Interessen sind oft abhängig von bestimmten Spielsachen, die der oder die zum Freund bzw. zur Freundin erwählte hat, und mit denen das Kind gern spielt.

Als Kind hatte ich einen Freund aus der Nachbarschaft, mit dem ich ständig zusammen war. Paul war der Starke, der Alleskönner, der Beschützer, der Überlegene. Wir spielten im Wäldchen, bestaunten Käfer und Blindschleichen, beobachteten Rehe und gingen auf die »Jagd«, bei der wir nie etwas erlegten. Wir besuchten einander, wenn der andere krank war, legten uns zum anderen ins Bett, was heute wegen einer von den Eltern befürchteten möglichen Ansteckung unmöglich wäre. Daher, ganz wichtig: Meine Eltern ließen mich gewähren. Da gab es keine Einschränkungen und Bedenken.

Wir lernen daraus: Damit sich (Kinder-)Freundschaften entwickeln können, ist das Vertrauen der Eltern in diese Freundschaft unabdingbar. Aber auch ihr Vorbild. Welche Freunde hat der Vater, welche die Mutter? Haben sie ausschließlich gemeinsame Freunde oder hat jedes Elternteil ihren eigenen Freundeskreis? Wie gehen die Eltern mit ihren Freunden um, wie pflegen sie die Freundschaft, wie sprechen sie über den Freund/die Freundin in der Familie?

 

Verschiebung des Begriffs Freund/Freundin

Man könnte die Kriterien noch differenzieren. Die Qualität der Freundschaften, wie die Eltern sie vorleben, bestimmt auch die Qualität der Freundschaft der Kinder.

Die Bezeichnung Freund/Freundin hat sich heute allerdings gegenüber früher sehr stark verändert. Wurde vor etwa 40 Jahren noch unterschieden in Kollege, Kamerad und Freund, werden heute sogar Menschen als Freund bezeichnet, die man selbst noch nie gesehen hat und von denen man nur aus den sozialen Netzwerken im world-wide-web weiß, die aus irgendeinem Grund zu unseren sogenannten Freunden zählen. Und damit fand eine inhaltlichen Verschiebung des Begriffs Freund/Freundin statt, die ohne Beispiel ist. Ist es doch das Wesen traditioneller Freundschaft, sich persönlich zu kennen, voneinander Dinge zu wissen, die sonst niemand weiß, einander zu vertrauen, etwas miteinander zu unternehmen, einfach in aktivem Kontakt miteinander zu sein.

Natürlich kann es auch etwas Schönes sein, mit fremden Menschen gemeinsame Interessen und Vorlieben zu entdecken, sich über Musik und Comedians auszutauschen. Was dabei jedoch fehlt, ist die Unmittelbarkeit des Gegenübers: wahrnehmen zu können, wie das, was ich in diesem Moment sage, beim anderen ankommt, welche Gefühle es bei mir auslöst, was dieser sagt oder tut, wie sich sein Gesicht verändert, was seine Hände dabei tun, wohin seine Augen wandern, all das, was die wahren Gefühle begleitet bzw. wozu uns unsere Gefühle verleiten.

 

Schlussfolgerung

Die Unmittelbarkeit ist ein wesentliches Kriterien für neurobiologische Verschaltungen, wie dies der Neurowissenschaftler und Psychiater Manfred Spitzer auf faszinierende Weise belegte. Diese Kriterien gelten auch für seelenlose Freundschaften im Internet. Daher kann man strenggenommen von diesen »Beziehungen« nicht von Freundschaften sprechen. Vielleicht brauchen wir eine neue Kultur der Freundschaft, die Beziehungen wieder stärker differenziert in Kolleginnen, Bekannte, Kameraden und eben echte Freunde.

Abb. © pixabay.com/virtualcoworkers

Josch 13.01.2026, 15.42

Kommentare hinzufügen


Kein Kommentar zu diesem Beitrag vorhanden

2026
<<< Januar >>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
   01020304
05060708091011
12131415161718
19202122232425
262728293031 
Folge mir per E-Mail

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Bitte wähle das richtige Zeichen aus:Flugzeug
Social Web


Instagram

Blogverzeichnis - Bloggerei.de TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste