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Christopher Nolans Odyssee

Die Odyssee …

… entstand ungefähr im 8. Jahrhundert vor Christus. Zusammen mit der Ilias bildet sie das bedeutendste griechische Heldenepos der Antike. Odyssee bedeutet wörtlich eine lange, schwere und gefahrvolle Irrfahrt. Heute wird der Begriff meistens im übertragenen Sinn verwendet, wenn jemand eine sehr anstrengende Suche oder eine Reise mit vielen Hindernissen und Umwegen durchmachen muss bzw. durchleben musste.

Zentrales Motiv der Odyssee ist die Heimkehr (Nostos). Agamemnon, der König von Mykene, kehrt schon sehr viel früher vom Krieg in Troja nach Hause zurück als Odysseus und wird von seiner Frau Klytaimnestra und ihrem Geliebten Aigisthos ermordet. Odysseus kehrt erst zehn Jahre nach dem Krieg in Troja nach Ithaka zurück. Er ist sehr vorsichtig, verkleidet sich als Bettler und gibt sich nicht sofort zu erkennen. So kann er die Freier, die seinen Palast belagern und seinen Sohn Telemachos ermorden wollen, besiegen. Die Odyssee beschreibt vor allem den gefahrvollen Weg, den Odysseus von Troja bis Ithaka bestehen muss.



Christopher Nolans Neuverfilumg…

… ist ein gewaltiges Epos. Der Film wurde sehr unterschiedlich aufgenommen. So schreibt zum Beispiel Ferdinand Meyen vom Bayerischen Rundfunk, Nolan habe sich »bewusst von der klassischen Geschichte Homers gelöst. Der neue Odysseus ist kein gewitzter Held, sondern ein Kriegsverbrecher, der mit seinen Taten in Troja hadert. Ein Krieg, der nur vordergründig dazu gedient habe, die schöne Helena zurückzuholen. Eigentlich wollte der griechische König Agamemnon die Trojaner für die Blockade von Handelsrouten bestrafen. So behauptet es Odysseus im Film.«

Es stimmt, dass sich der Film nicht streng an die Odyssee hält. Doch das ist meines Erachtens auch gar nicht notwendig. Wer die Odyssee nur vage kennt oder noch nie davon gehört hat, kann sie ja nachlesen. Es gibt eine sehr schöne Ausgabe der Ilias zusammen mit der Odyssee im Reclam Verlag, herausgegeben von Melani Möller, renommierte Professorin für klassische Philologie an der Freien Universität, Berlin.

 

Besonderheiten des Films

Ich fand den Film atemberaubend. Für mich ist es der beste Film von Christopher Nolan, besser als Oppenheimer und besser als Dunkirk. Bis jetzt hat der Film schon über eine Milliarde US-Dollar eingespielt. Das zeigt, welch gewaltiges Echo das Filmepos ausgelöst hat. Wie Nolan mehrfach betonte, ging es ihm auch gar nicht um eine werkgetreue Verfilmung. Das ist bereits 1954 mit dem Film Die Fahrten des Odysseus mit Kirk Douglas in der Hauptrolle geschehen. Auch der Film wurde von den Kennern der Odyssee kritisiert. Ein Film kann nun einmal ein Buch nicht ersetzen.

Christopher Nolans Odysseus, herausragend gespielt von Matt Damon, ist ein Krieger, den die Reise mit all den brutalen Erlebnissen und furchtbaren Gefahren verändert. Er wird immer mehr zu einem grausamen Anführer, dem kein Opfer zu groß, kein Einsatz zu unmenschlich, keine Handlung zu aggressiv ist. Er will nach Hause, zurück zu seiner geliebten Penelope und zu seinem Sohn Telemachos.

 

Die Odyssee in meiner Jugend

Ich habe als Jugendlicher in der Schule zum ersten Mal von Odysseus gehört. Der Rektor unserer Schule hat, wenn er in Vertretungsstunden den Unterricht hielt, immer von Odysseus erzählt, ganz drastisch beispielsweise erzählte er vom Zyklopen Polyphem. Im Film ist es eine Szene, die mich in besonderer Weise mitgenommen hat, wie der Zyklop einigen Gefährten von Odysseus den Kopf abbeißt und sie frisst.

Und ich wartete immer auf die Szenen mit den Sirenen. Die dann im Vergleich zu den anderen Abenteuern eigentlich relativ harmlos geschildert werden. Dagegen wird die Zauberin Kirke sehr drastisch gezeigt, die die Männer in Schweine verwandelt. Wie schlecht doch bei Homer schon vor knapp dreitausend Jahren die Männer wegkommen! Sind Männer also Schweine? Doch Odysseus gelingt es, dass die Zauberin die Schweine wieder zurückverwandelt. Im Film eine ziemlich eklige Sequenz.

An manchen Stellen hat mich der Film zutiefst berührt. Wenn es zum Beispiel um die unerschütterliche Treue von Penelope und Odysseus geht, wenn Telemachos sein Leben aufs Spiel setzt, um zu erfahren, ob sein Vater noch lebt, wenn es auch nach vielen Jahren immer noch Menschen gibt, die treu zu Odysseus halten.

 

Die Filmmusik´

Und noch etwas ist bemerkenswert an diesem Film: die Musik. Ronald Kah, Musikproduzent und Komponist, schreibt: »Auch für Die Odyssee verfolgt er (Christopher Nolan, Anm. der Verf.) keinen klassischen Hollywood-Ansatz. Statt ausschließlich auf ein großes Sinfonieorchester zu setzen, verbindet er hier bekanntes mit experimentellen Ansätzen, antiken Instrumenten und modernen Sounddesign-Techniken. Dadurch entsteht ein Soundtrack, der zwar an die Antike erinnert, dabei aber niemals altmodisch wirkt.«

Und Sven Ahnert von BR Klassik (Bayerischer Rundfunk) schreibt unter anderem: »Wie klingt Homers fabelhafte Welt? Wir wissen es nicht. Aus der Antike sind keine Tonaufnahmen überliefert. Regisseur Christopher Nolan wollte trotzdem hören, wie seine Welt geklungen haben könnte – und beauftragte Komponist Ludwig Göransson mit dem Soundtrack zu seinem Epos Die Odyssee.« Und weiter: »Ein modernes Orchester hätte die antike Welt in ein allzu modernes Licht getaucht. Also suchten sie nach Instrumenten, die eine antike Welt imaginieren. Statt auf ein klassisches Orchester zu setzen, entwickelte der Komponist einen rauen, archaischen Klang aus Aulos, Lyra, Bronzegongs, Metall, Synthesizern und Stimmen.« Besser kann man die Filmmusik in der Odyssee nicht beschreiben.

 

Fazit

Neben List und Gewalt, Reifung und Entwicklung, Entschlossenheit und Mut, Schicksal und freiem Willen, auch gegen die Götter – was immer man darunter verstehen mag – , Selbstbestimmung und Ehrgeiz geht es letztendlich um die Heimkehr, um die Ankunft und die Geborgenheit in vertrauter Umgebung. Und die Odyssee warnt vor Hochmut (Agamemnon). Mich jedenfalls ließ der Film nicht mehr los. Er ist unbedingt sehenswert. Und er ist vom Stoff her gesellschaftlich höchst aktuell, wenngleich sehr brutal.

Josch 15.08.2026, 16.07

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