Einfach zum Nachdenken

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„... sind Sie kraft Gesetz rechtmäßig verbundene Eheleute.“

Vor Kurzem war ich nach langer Zeit wieder einmal zu einer Hochzeitsfeier eingeladen. Das Brautpaar hatte ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie die Feier abzulaufen hatte. Deswegen legte es auch auf einen sogenannten Dresscode großen Wert, auf den es mit der Einladung hinwies. Anfänglich spielte ich mit dem Gedanken, mich diesem Diktat nicht zu unterwerfen, fügte mich dann aber doch, weil mir bei meinen gedanklichen Mätzchen klar wurde, dass dies die Feier erheblich stören und ich damit die Aufmerksamkeit auf mich lenken würde, wo es doch um das Brautpaar ging, und eben nicht um mich.



Die Hochzeit wurde schließlich ein rundum gelungenes Ereignis. Ich war tief beeindruckt von den vielen jungen Menschen, mit welcher Sorgfalt sie sich zurechtgemacht hatten. Und das habe ich dann auch als ein Geschenk begriffen. Am meisten beeindruckte mich das Brautpaar selbst, das mit selbstbewusster Hingabe dieses einschneidende Ereignis zelebrierte. Da stimmte einfach alles: die Eheschließung im Barocksaal, die von einem Streichquartett umrahmt wurde, der anschließende Stehempfang im Freien, der sogenannten Agape, das Fest am Abend mit einem vorzüglichen Menü, den Gesprächen mit den Tischnachbarn, die nicht zufällig nebeneinander saßen, den Reden, der Musik und dem nachmitternächtlichen Ausklang in der Diskothek.

Das Brautpaar hatte das Fest offenbar mit Unterstützung einiger sehr treuer Freunde über Monate hinweg vorbereitet. Und das merkte man dem Fest auch an. Ich habe selten in meinem Leben so ein stilvolles, bis in Kleinigkeiten hinein strukturiertes Fest erlebt. Wenn so eine Feier liebevoll und akribisch vorbereitet wird, wenn Zufälle weitgehend ausgeschaltet werden, dann lässt das auch Rückschlüsse auf das Brautpaar zu. Sie nehmen ihre Zusage und ihr Treueversprechen sehr ernst. Eine große Hochzeitsgesellschaft ist ja nicht nur zum Feiern da. Das auch. Die Gäste sind gleichzeitig Zeugen dieser unglaublich mutigen Zusage zweier Menschen, miteinander leben, füreinander da sein, den Rest des Lebens miteinander verbringen zu wollen. Ganz gleich, ob dies gelingt oder nicht. Der unbedingte Wille jedenfalls wird öffentlich bekundet. Und dies ist in unserem Kulturkreis weitgehend ein freiwilliger Akt, die Eheschließung ist von niemandem vorherbestimmt, sie stellt kein familiäres oder religiöses Kalkül dar. Und das ist es, was mich zutiefst berührt: Es gibt Menschen, die den Mut haben, sich in aller Offenheit zu einem ganz bestimmten Menschen zu bekennen, zu ihm Ja zu sagen, sich ihm anzuvertrauen, sich ihm hinzugeben, sich dem anderen auszuliefern, die Sorgen und Nöte miteinander zu tragen, sich zu helfen und zu unterstützen und füreinander da zu sein, einander zu vertrauen, einander zu lieben. Dies schließt ein, sich Fehler zu verzeihen, einander in Wahrhaftigkeit und Wahrheit zu begegnen, sich nicht unterzuordnen, sondern sich auf Augenhöhe – eben als Partner – zu begegnen.

Bei der Trauungszeremonie führte der Brautvater seine Tochter dem Bräutigam zu. Er gab diesem gewissermaßen die Hand seiner Tochter. Welch ein bewegender Moment! So muss es sein, durchfuhr es mich: Der Vater entlässt die Tochter aus seinem Schutz und vetraut sie dem Schutz des Bräutigams an. Er gibt seine Verantwortung ab.

Ich fragte mich allerdings auch, ob die Ehe wohl halten, ob sie Bestand haben werde. Wie ich gelesen habe, ist die Anzahl der Scheidungen in Deutschland seit 2003 konstant rückläufig. Ließen sich damals noch rund 214.000 Paare scheiden, waren es im Jahr 2014 „nur“ noch rund 166.200. Allerdings werden rund 35 % aller geschlossenen Ehen im Laufe von 25 Jahren gelöst. Aber was sind schon nackte Zahlen? Schließlich ist jede einzelne Scheidung auch eine größere oder kleinere Tragödie, zumal wenn Kinder darunter leiden müssen. Allerdings schafft eine Trennung oder Scheidung in vielen Fällen auch klare Verhältnisse: Das scheidungswillige Paar kehrt zu der einst einander versprochenen Wahrheit zurück und macht offenbar, was seit Monaten oder vielleicht sogar schon seit Jahren unterschwellig vorhanden, aber nie in der Drastik ausgesprochen worden war. Und für Kinder kann eine ungeklärte Situation sogar wesentlich schlimmer sein als klare Verhältnisse. Ich weiß von einer entfernten Bekannten, die in einer sehr schwierigen Ehe lebte und deren 13-jährige Tochter zur Bettnässerin wurde. Kaum aber hatten die Eltern für klare Verhältnisse gesorgt und sich getrennt, verschwand sozusagen über Nacht auch die Enuresis der Tochter.

Ich habe meinem Brautpaar ehrlich und aufrichtig gewünscht, dass es glücklich und zufrieden miteinander leben möge, und ich sagte den beiden, dass sie keine Bange zu haben brauchen, da ihnen doch Freunde zur Seite stehen, wie die Vorbereitung des Festes gezeigt habe, sollte der Himmel im Ehealltag einmal eher von dunklen Wolken verdeckt als von Geigen vollgehängt sein. Ich hatte den Eindruck, dass das Brautpaar verstanden hat, was ich damit sagen wollte. Und mich brachte die Hochzeitsfeier dazu, wieder einmal über die oft wie selbstverständlich hingenommenen ehelichen Werte nachzudenken. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk, wofür ich unendlich dankbar bin.

Josch 16.08.2016, 21.31

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