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Alles Wissen ist Erinnerung

Zur Erinnerung an den August 1969

Sich an bestimmte Ereignisse erinnern … Schon der Gebrauch des Verbs „erinnern“ macht vielen Menschen Schwierigkeiten, in vielen Fällen wird „erinnern“ falsch gebraucht, ohne dass die Betreffenden es merken. So erinnern sie zum Beispiel „dieses oder jenes Ereignis“. Dass der Gebrauch des reflexiven Verbs „erinnern“ ohne Präposition nicht korrekt ist, zeigt das simple Beispiel „Ich erinnere Hans“ sehr gut, da der Satz doppeldeutig ist. Erinnere ich mich an Hans? Oder: Erinnere ich Hans an etwas? Bastian Sick hat bereits vor vielen Jahren in seinem ersten Buch der Reihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ belegt, dass dies amerikanisches Deutsch ist. Da kann man sagen: I can't remember that.“ Im Deutschen muss es dagegen heißen: „Ich kann mich nicht daran erinnern!“



Erinnerung an ein einmaliges Festival 

In diesen Tagen erinnern viele Beiträge in den Medien Woodstock. Ich möchte mich allerdings an Woodstock erinnern. Bereits damals, also vor exakt 50 Jahren (15. bis 17. August 1969) wurde das legendäre Festival, zu dem eine halbe Million Besucher kam, als Höhepunkt der Hippiebewegung bezeichnet. Erwartet hatten die Veranstalter etwa 60.000 Besucher. Doch dann machten sich über eine Million auf den Weg, und davon kamen etwa 400.000 auf dem Festivalgelände an. Bis heute sind die beteiligten Gruppen und Künstler ein Begriff. Es war ein unerreichtes Aufgebot an Superstars von Jimi Hendrix, The Who, Joan Baez, Joe Cocker, Janis Joplin bis hin zu „Crosby, Stills, Nash & Young“, um nur einige zu nennen. Die Musik wird bis heute von vielen, nicht nur inzwischen alten, Menschen gehört. 500.000 Menschen, drei Tage, friedlich, frei und glücklich …


Zwei Ereignisse des Jahres 1969, die auch des Erinnerns wert sind

Da ist einmal der furchtbare Ritualmord in der Nacht vom 8. auf 9. August 1969 in Los Angeles, dem die damals hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate und vier ihrer Besucher zum Opfer fielen. Sharon Tate war eines der begehrtesten Models der späten 1960er-Jahre und Ehefrau von Roman Polanski. Der mysteriöse Mord durch den sogenannten Manson-Clan oder die Manson-Family, wie die Mörder auch genannt wurden, beschäftigte die ganze Welt. Das prominente Opfer wurde mit 16 Messerstichen getötet und in eine US-Flagge gewickelt. An die Wände schmierten die Täter mit Blut das Wort „pig“ (Schwein). Wie nahezu bei jedem Mord ist für mich auch bei dieser grauenvollen Bluttat nicht nachzuvollziehen, worum es den Tätern letztendlich ging. Denn moralisch hatte der Manson-Clan keinen Grund, sich über ihr prominentes Mordopfer zu erheben. Ihr Anführer Charles Manson zog vor allem junge Frauen durch übermäßigen Drogenkonsum und sexuelle Exzesse in seinen Bann und machte sie hörig. 

Und ferner sollte man sich in diesem Jahr an die Unruhen in Nordirland erinnern. Im Mittelpunkt der Nachrichten im August 1969 stand nämlich auch der jahrhunderte alte Konflikt in Nordirland, bei dem eine protestantische Parade heftige Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken auslöste, die schließlich den Einsatz der britischen Armee notwendig machten. Die Parade, an der etwa 20.000 Menschen teilnahmen, wurde abgehalten zur Erinnerung an die Verteidigung von Londonderry gegen die Katholiken im Jahr 1689. Vom 14. auf 15. August 1969 drangen Protestanten in ein katholisches Viertel in Belfast ein und steckten Häuser und Fabriken in Brand. Acht Menschen starben dabei, 750 wurden verletzt. Viele Menschen in Deutschland konnten nicht nachvollziehen, wie es zu solchen Bruderkonflikten kommen konnte. Dabei lebten sie selbst in einem gespaltenen Land, das von einer Mauer und Selbstschussanlagen durchzogen war.

Die Unruhen in Nordirland 1969 sollten uns im Jahr 2019 zu denken geben, da Großbritannien kurz vor dem Brexit steht und der quasselnde Premierminister sich weigert, mit der EU nach einem Ausweg aus den Problemen, die durch den Brexit für Irland entstehen, zu suchen.


Erinnerungskultur

Erinnern ist die Chance, etwas besser zu machen. Im Erinnern an bestimmte Ereignisse haben wir die Möglichkeit, Fehler zu vermeiden, unseren Erfahrungsschatz zu erweitern, aus dem Vergangenen zu lernen. Manches Ereignis in der Vergangenheit ist nur durch die enorme Leistung unseres Gehirns, allzu Negatives wegzulassen oder zu verschönern, auszuhalten und zu bewahren. Heute spricht man gern von der sogenannten Erinnerungskultur, damit bestimmte Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten. Grabmäler, Gedenkstätten, Denkschriften, Ausstellungen, Film- und Fernsehdokumentationen und vor allem Gedenktage helfen uns dabei, uns an vergangene Ereignisse angemessen zu erinnern. 

Alles Wissen ist Erinnerung

Thomas Hobbes

Abbildung: © pexels.com/Kaboompics


Josch 12.08.2019, 17.30

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