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Geld regiert die Welt

„Geld regiert die Welt …

… und für Geld tu ich alles“, lässt Generaldirektor Heinrich Haffenloher den Ober in Kir Royal, der wunderbaren Fernsehserie aus den 1980er-Jahren, sagen und gibt ihm einen Tausendmarkschein. So lustig die Szene ist, so bitter ist die dahinterliegende Wahrheit, die Helmut Dietl, dem unvergesslichen Autor und Regisseur der Serie, damit gelungen ist. Bitter insofern, weil die Käuflichkeit von Menschen ein gleichbleibend aktuelles Thema ist. An anderer Stelle sagt der stinkreiche Generaldirektor Haffenloher zu Baby Schimmerlos: „Ich kauf dich einfach, verstehste, Junge (…) Ich scheiß dich so was von zu mit Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast (…) Ich bin dir einfach über.“ 



So lange es mich nicht betrifft, ist es mir wurscht 

Da die Öffentlichkeit ja nicht dabei ist, wenn es um die entscheidenden Dinge geht, die einflussreiche Menschen mit Geld regeln, wissen wir auch nichts darüber, wie drastisch, direkt, versteckt oder diskret die Angebote gemacht werden, die einen Millionendeal einleiten. Die Öffentlichkeit bekommt meist nur das Ergebnis eines Kaufs, eines Deals mit. Das Drumherum ist ihr weitgehend verschlossen. Gäbe es keine investigativen Journalisten, denen es durch mühsame und oft über Jahre dauernde und nicht selten gefährliche Recherche gelingt, solche Deals und Schiebereien aufzudecken, bekäme die Öffentlichkeit überhaupt nichts mit.

Warum ist es so wichtig, dass wir über diese Schiebereien informiert werden? Den Kopf in den Sand zu stecken, weil es mich ja nicht betrifft und mich nichts angeht, ist jedenfalls fehl am Platz. Denn eigentlich müssten die Menschen auch gegen Schiebereien auf die Straße gehen und dagegen protestieren, müssten konsequent auf Konsumgüter verzichten, die mit Schiebereien in Verbindung stehen, müssten Marken ignorieren, wie zum Beispiel die Firma Nestlé und ihr Geschäft mit Vittel. Denn so prall die Kassen und Portemonnaies der betroffenen Konzerne, Manager und Sportler auch sein mögen: Am empfindlichsten trifft sie ein Boykott oder Protest der Konsumenten, denn das geht auf den Geldbeutel.


Ob Geld auch Eigentore schießen kann?

Oder man denke an die Schiebereien im Vorfeld des Sommermärchens. Das mühsame Trockenlegen des Bestechungssumpfes hat Wirkung gezeigt. Auch wenn wahrscheinlich nie ganz aufgeklärt wird, wer wie viel Geld und für welche Gegenleistung bekommen hat, bleibt ein schales Gefühl, das längst unumstößlich geglaubte Denkmäler vom Sockel stürzte oder zumindest ihr Image empfindlich und für immer beschädigte.

Wahrscheinlich waren es auch eher pekuniäre Gründe, die unseren Fußballnationalspieler Ilkay Gündogan bewogen haben, seinem Präsidenten Erdogan ein Trikot zu widmen und öffentlich zu überreichen. So ein Einkaufscenter in Dursunbay will erst einmal erbaut, die Hürden überwunden sein. Da ist es allemal hilfreich, den einflussreichsten Unterstützer, den die  Türkei bieten kann, an der Seite zu haben. Eine Hand wäscht eben die andere. Was jucken da schon Journalisten, die weggesperrt werden, weil sie nicht systemkonform berichten? Selber schuld, nicht wahr? Wer hat sie denn gezwungen, in die Türkei zu reisen und über die Machenschaften des Despoten zu berichten? Das gehört zum Berufsrisiko, ähnlich wie die Verletzung eines Fußballstars, bei der dieser von allen möglichen und nur denkbaren Menschen behandelt, unterstützt und alimentiert werden muss. Schließlich bekommt ein Journalist im Kerker in der Türkei ja auch zu essen und muss nicht verhungern, oder? Was regen wir uns auf? Es geht uns doch nichts an. Hauptsache, die deutsche Nationalmannschaft gewinnt in Russland. Alles andere kann uns doch völlig egal sein. Letztendlich werben auch die voll integrierten Fußballer Özil und Güdogan für Respekt und sagen Nein zum Rassismus. Und das sind sicher auch Ziele (oder gar Programm) von Erdogans AKP, oder etwa nicht?


„Ich schick dir täglich Cash im Koffer…“

Ja, es ist schon wahr: „Geld regiert die Welt, und für Geld tu ich alles.“ In Kir Royal sagt Generaldirektor Heinrich Haffenloher an anderer Stelle zu Baby Schimmerlos: „Ich schick dir täglich Cash im Koffer. Das schickst du einmal zurück, und zweimal, und vielleicht noch ein drittes Mal (…) aber irgendwann sagst du dir: Wenn ich es nicht mache, macht's ein anderer. Und dann gehörst du mir. Dann bist du mein Knecht. Und dann mach ich mit dir, was ich will…“

Das ist die Wirkung von Geld, über die eine befreundete Psychologin einmal sagte: „Zu viel Geld und zu wenig Geld macht korrupt.“ Ich wünsche eine schöne Pfingstzeit, in der der Geist weht, wo er will …


Zitate aus Kir Royla nach: Helmut Dietl/Patrick Süskind: Kir Royal. Aus dem Leben eines Klatschreporters. Albrecht Knaus Verlag. München 1986

Abbildung: Copyright pexels.com

Josch 21.05.2018, 21.51

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