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John Williams: Stoner

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben

Der Roman „Stoner“ von John Edward Williams erschien bereits 1965, wurde aber erst 2006, da war der Autor schon zwölf Jahre tot, wieder entdeckt und entwickelte sich dann sehr schnell zu einem internationalen Bestseller. Das Buch handelt von einem Mann, der als junger Student der Agrarwissenschaft „seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird“, wie es im Klappentext heißt. Es ist ein Beziehungsroman im Vollsinn. Er beschreibt die harte Arbeit auf der Herkunftsfarm des Protagonisten ebenso wie die gefühllose und mitleidlose Rivalität an der Hochschule.



Stoner fügt sich widerspruchslos in eine destruktive Ehe, geduldig hält er die Anfeindungen seiner zänkischen und grausamen Ehefrau aus, und er fügt sich widerstandslos in die Ausgrenzungsversuche, denen er täglich im Hochschulbetrieb ausgesetzt ist.

Stoner ist „ein Roman über die Liebe: die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die Liebe zwischen Mann und Frau“. Die tief berührende und wunderbare Liebesbeziehung zwischen Stoner und der jungen Studentin Katherine wird nicht durch seine Ehefrau, sondern durch die feindliche Intrige seines stärksten Widersachers an der Universität zerstört.

In literarischen Texten geht es immer um Grenzüberschreitungen, um den vom Text erstellten Wertekanon, um semantische Räume, die zerstört oder konstruiert werden (semantischen Räumen können bestimmte Bedeutungen substituiert werden). Es lohnt sich, die Orte, an denen etwas Einschneidendes passiert, genauer anzusehen. In diesem Roman gibt es vier zentrale semantische Orte: die Farm der Eltern (und später der Verwandten, bei denen Stoner lebt), das Haus des Protagonisten und seiner Familie; die Universität, an der der Protagonist lehrt; Katherines kleine Wohnung, in der der Protagonist mit seiner Geliebten eine herausgehobene Liebesbeziehung lebt.

Es ist bezeichnend, wie die jeweiligen semantischen Orte verändert, reduziert oder ganz zerstört werden. Denn dadurch werden die Normen und Werte des Textes evident. „Auf dem Sterbebett wird Stoner bewusst, dass man sein Leben für gescheitert halten wird. Doch ihm scheint es das Wichtigste, dass er stets er selbst geblieben ist“, schreibt der Interpret auf Wikipedia.

Ich habe schon seit Langem keinen so tief berührenden Text mehr gelesen, er ist erzähltechnisch, sprachlich und inhaltlich vom Feinsten.


John Williams: Stoner. Roman. Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben. Deutscher Taschenbuch Verlag. München 32015 (349 Seiten, 9,90 €).

Josch 10.01.2016, 11.54

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