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Kann man Nichtstun üben?


© fotolia Petair

Nichts tun, einfach nur still sitzen, nicht sprechen, nichts lesen, nichts betrachten, nicht herumlaufen, keine Musik hören, nicht aufs Smartphone starren, nicht Radio hören, nicht fernsehen, nicht an der Kleidung herumzupfen, nicht einschlafen, nicht in Gedanken durchspielen, was ich als nächstes erledigen will. Überhaupt nichts machen! Vielleicht sagen Sie auch wie mein Freund Zafer: „Das geht doch gar nicht! Das bringt doch keiner fertig. Ich werde allein schon bei dem Gedanken, nichts, aber auch gar nichts zu tun, unruhig! Sich hinsetzen und Zeitung lesen, das geht. Vielleicht auch nur eine Tasse Kaffee trinken. Das auch, aber überhaupt nichts tun, das bringe ich nicht fertig!“


Vielleicht glauben Sie aber auch, dass Nichtstun schlicht und einfach vergeudete Zeit sei. Oder ist es die Angst vor der Leere? Die Angst, in ein tiefes schwarzes Loch zu starren, wenn Sie nichts tun?

Ich möchte Sie auffordern, einfach einmal nichts zu tun, alle Hektik abzulegen, sich zur Ruhe zu zwingen und ganz bewusst und konzentriert in sich hineinzuhören. Nehmen Sie Ihren Atem war, Ihren Herzschlag, achten Sie auf die Geräusche, die Sie umgeben! Stellen Sie sich vor, Sie sitzen – warm eingepackt – in eisiger Kälte auf einer Bank in einer stillen Winterlandschaft, wie auf dem Bild. Niemand stört Sie, niemand will etwas von Ihnen, niemand zerrt an Ihnen und Ihren Nerven herum. Sie werden sehen: Allein bei dem Gedanken werden Sie ganz ruhig.

Lassen Sie nun die Gedanken kommen und gehen. Versuchen Sie nicht, Sie festzuhalten, sie zu kanalisieren. Grübeln Sie nicht, entwickeln Sie keine neuen Ideen, schmieden Sie keine Pläne, und träumen Sie nicht! Lassen Sie alle Gedanken, Eindrücke, Impulse, Ideen und Gefühle durch Sie hindurchfließen, ohne sie festzuhalten!

Nehmen Sie zum Beispiel wahr, wie schön es ist, den Atem kommen und gehen zu lassen. Einatmen und Ausatmen, das ist Gegenwart – sagt Ernst Pöppel in seinem Buch „Je älter, desto besser“.

Betriebsamkeit ist uns zur Gewohnheit geworden, Ruhe hingegen müssen wir immer wieder mühsam  erlernen. Nach Anton Tschechow, dem großen russischen Schriftsteller, gibt es kein Glück ohne Müßiggang, ja nur das Nutzlose bereite in Wahrheit Vergnügen. Nichtstun ist höchste, innere Anspannung, ist innere Aktivität. Um das Nichtstun genießen zu können, muss man etwas tun, so absurd das klingen mag. Diese Passivität lenkt nicht ab, sondern führt in unsere geistige und emotionale Mitte, sie konfrontiert uns mit uns selbst.

Diese aktive Passivität - welch Absurdität! Werden Sie sich sagen – hat das Potenzial, Ihren Blickwinkel zu ändern. Und das kann in eine gesunde Gelassenheit münden, die dazu führt, dass man Sie ganz neu wahrnimmt. Das nennt man Veränderung!

 

„Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen.“François de la Rochefoucauld

Josch 23.12.2015, 00.00

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Kommentare zu diesem Beitrag

5. von Photo Retouching

Thanks a lot. It's so helpful

vom 26.11.2020, 07.46
Antwort von Josch:

Thank you too.
4. von car photo editing

Great post. Your site is quite interesting and very well written. I am waiting for your next post


vom 18.12.2018, 08.59
Antwort von Josch:

Thank you very much for your friendly comment.
3. von samsmith1337

Das Foto ist sehr, sehr nett. Gut gemacht! Himmel ist dort besonders schön. Mach weiter :)
VG
Sam

vom 15.03.2018, 19.14
Antwort von Josch:

Danke für deinen Kommentar und die Ermunterung, weiterzumachen.
2. von Diana Napolitano

Da sprechen Sie sicher vielen aus der Seele! Diese Sehnsucht nach Ruhe und Frieden trägt heutzutage doch fast jeder in sich. Aber statt Ruhe einfach mal zuzulassen, erstellen wir nur noch längere To-Do-Listen im Kopf und wundern uns, warum uns die Erledigung so vieler Dinge keine Erfüllung mehr bringt. Wir sehen gar nicht mehr, was wir alles täglich stemmen, sondern sind unleidig, weil wir doch eigentlich noch viel mehr erledigen wollten. Und schon drehen wir uns immer schneller in unserem Hamsterrad! Furchtbar ist das eigentlich!!
Ich werde Ihre Worte jetzt sofort als Ansporn nehmen und nach draußen in die Natur gehen. Einfach so, ohne Musik, ohne nix!
Ach ja, danke für das Buch zur Achtsamkeit, auch das wirkt sehr inspirierend!!


vom 07.02.2016, 10.54
Antwort von Josch:

Wer Verantwortung für andere Menschen hat - zum Beispiel als Mutter oder Vater - kann nicht einfach alles schleifen lassen. Aber er braucht die Momente, die ihn wieder auf sich selbst schauen lassen. Und dazu sind solch innere Fluchten notwendig. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich Zeit für den Kommentar genommen haben und damit Austausch ermöglichen!!
1. von Bea Schmucker

Lieber Herr Pöllath,
soviel gebündelte Lebenserfahrung auf einem Blog! Viele Gedanken teile ich und es ist wunderbar, diese so schön formuliert vorzufinden.
Herzlichen Glückwunsch dazu!
Einige der Texte auf ihrem Blog sind eine gute Inspiration - auch für meinen Kurs "Bild trifft Wort" an der Freien Kunstakademie Augsburg.
Herzlich, Bea Schmucker

vom 25.01.2016, 09.28
Antwort von Josch:

Liebe Frau Schmucker, es freut mich sehr, dass Sie meinen Blog anregend finden. Umso mehr freue ich mich, dass Sie einen Kommentar hinterlassen haben. Ich habe mir vorgenommen, die Buchproduktion einzuschränken, damit ich für den Blog mehr Zeit habe. Ihr Kurs klingt ja nach einem tollen Projekt! Herzlichen Glückwunsch. Ihr jkp
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