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Vergessene Wortschönheiten

Jakob Sprengs unerhörte Auswahl vergessener Wortschönheiten

Wem heute die Bedeutung eines Wortes nicht klar ist, der googelt den Begriff im Internet. Begriff kommt von begreifen. „Ich muss diesen Begriff umschreiben, da mir das rechte Wort dafür fehlt“, heißt es im Wahrig. Haben wir die Bedeutung und die etymologischen Wurzeln des Wortes – vielfach auf unterschiedlichen Webseiten – gefunden, sind wir zufrieden und können das Wort richtig verwenden. Demjenigen, dem an der Sprache liegt und der sicher gehen will, dass die Bedeutung des Wortes stimmt, der greift nach Duden, Wahrig, Kluges etymologischem Wörterbuch, sucht im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm oder wenn es sich zum Beispiel um ein Dialektwort handelt, meinetwegen um ein bairisches, der nimmt den Schmeller zur Hand. Diese gründliche Suche nach der Bedeutung eines Wortes ist für mich immer wieder spannend.



Eine eigensinnige Wörtersammlung

Einen ganz besonderen WortSchatz kann der in die Schönheit der deutschen Sprache Verliebte aus dem wunderbaren Verlag das kulturelle Gedächtnis heben. Vor etwa 1 1/2 Jahren erschien im gleichen Verlag auch schon so ein WortSchatz, nämlich die Wunderkammer der deutschen Sprache, der mich zum Schwärmen brachte und den ich auf meinem Blog rezensierte. Und nun ist es das von Heinrich Löffler angeregte und von Nicolas Fink herausgegebene Werk, das mich zum Staunen und Schmunzeln bringt. Johann Jakob Spreng, auf den das Werk zurückgeht, hat es leider nicht geschafft, das zeit seines Lebens gesammelte Werk zu veröffentlichen.


An diesem "Wörterbuch, das zur Zeit seiner Entstehung mit einer Gesamtzahl von beinahe 100.000 Artikeln das umfangreichste gewesen wäre und in seinem lexikografischen Vorhaben das Potenzial hatte, das bedeutendste seiner Art zu werden…“ hat Johann Jakob Spreng (1699-1768), ein Basler Gelehrter, studierter Theologe, Hauslehrer, Pfarrer und Professor für deutsche Poesie und Beredsamkeit, sein ganzes Leben lang gearbeitet und es doch nicht zu Ende gebracht. Sein Allgemeines deutsches Glossarium hatte das Zeug, eine verlegerische Sensation zu werden. Es existiert nur als Unikat in zwanzig dicken handschriftlichen Foliobänden und etwa 33.000 Zetteln. Aus diesen haben die Herausgeber dieses fantastische Werk destilliert.


Wörter und Legenden

Das Buch ist – wie nahezu alle Bücher aus dem großartigen Verlag – wunderschön ausgestattet. Wenn es vor einem liegt, kann man nicht anders, als darin zu blättern und sich den meist vergessenen Wörtern hinzugeben. Verlag und Herausgeber haben sich die Mühe gemacht, das Buch nach den Buchstaben des Alphabets zu gliedern. Das ist ja logisch, werden Sie vielleicht einwenden. Wie soll man sonst einen gesuchten Begriff finden? Stimmt! Aber hier beginnt jedes Kapitel mit einer schön gestalteten, illustrierten Doppelseite. Die Herausgeber haben die Wörter mit Legenden versehen und damit Sprengs Kennzeichnung übernommen, mit der er die Wörter einteilte in: „zur Sprache der Gegenwart gehörend, veraltet oder im Grimm belegt“, was ausgesprochen lesefreundlich ist, wie ich finde.


Fazit

Zu den Wörtern, die ich ab sofort in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen möchte, gehört zum Beispiel das Verb funseln: heimliches Handgebärde treiben. Wat funselt he dar? Was treibt er da, das niemand sehen soll? oder: wegfunseln (Niedersächsisch): heimlich von der Hand schlagen, über die Seite bringen. Oder: Polsterleben, waichliches, zartes, wollüstiges Leben.

Ein besonders schöner Begriff ist meines Erachtens Spiegelrede, Blendrede, einen Fehler zu beschönigen. Geschainte und verzickte spiegelrede, d. i. scheinbare und mit vielem Drehen und Ränken herbeygebrachte Vorwände.

Auf der vierten Umschlagseite des Buches heißt es unterem anderem, das Buch ist „… eine erhebliche Bereicherung, vielleicht gar eine Frischzellenkur für die deutsche Sprache“. Dem kann ich mich nur anschließen. Das Buch hat Infektionspotenzial: Man kann davon angesteckt werden, wogegen keine Impfung hilft, sondern nur die Lektüre und die Vertiefung in dieses wunderbare Wörterbuch.

Eine unerhörte Auswahl vergessener Wortschönheiten aus Johann Jakob Sprengs gigantischem, im Archive gefundenen, seit 250 Jahren unveröffentlichten Deutschen Wörterbuch. Ans Licht gebracht von Nicolas Fink, mit einem Vorwort von Gabriel Schaffter. Verlag das kulturelle Gedächtnis. Berlin 2021. 368 Seiten. Mit Kopfschnitt und Lesebändchen. LP 25,00 €

ISBN: 978-3-946990-47-5

 

Josch 14.04.2021, 10.17

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