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Verletzte Herzen. Gabi hat sich verliebt

Gabi und Tim, Folge 2 – Auszug aus „Verletzte Herzen“

Gabi ging der Beatnachmittag in der Tenne noch lange nach. Als sie Tim auf der Tanzfläche ihre Lippen auf den Hals drückte, wollte sie es wissen. Das war berechnend. Der Gedanke daran zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht. Sie hatte es sofort gemerkt, dass er ein Auge auf sie geworfen hatte. Schon beim ersten Mal, als sie sich zufällig bei Heidi getroffen hatten. Aber er tat es immer heimlich, damit Gisela und Heidi ja nichts davon mitbekämen. Beim Tanzen hatte er ihren zärtlichen Kuss prompt erwidert. Da hatte sie auch gar nicht lange überlegt, sondern sich ganz ihren Gefühlen hingegeben. Nach dem kurzen Schwof hatte er sie wortlos von der Tanzfläche gezogen und in die Bar geschleppt, wo sie sich in eine dunkle Ecke verzogen und heftig zu knutschen begonnen hatten. Sie hatte nicht einmal die Barfrau bemerkt, die sich erst mit einem Räuspern bemerkbar gemacht hatte, um die Bestellung aufzunehmen ...

Nachdem sie das Whiskey-Cola gebracht hatte, waren sie ungestört. Nur manchmal hatte jemand in der Polsterecke nebenan gekichert oder leise gestöhnt. Tim war ganz schön rangegangen. Aber zärtlich war er, das musste man ihm lassen. Und er verstand es, eine Frau an den richtigen Stellen zu berühren. Nach der Veranstaltung hatte er sie mit seiner dunkelblauen Corvette nach Hause gefahren. Als sie aussteigen wollte, hatte er plötzlich in leise drängendem Ton damit angefangen, dass das auf keinen Fall Gisela erfahren dürfe.

»Du verstehst, weil sie hat Diabetes mellitus. Ich weiß nicht, wie man sagt in german.«

Gabi hatte nichts darauf gesagt und ihn nur angesehen. Da hatte er sie zu sich hergezogen und sie gierig und fordernd geküsst, hatte eine Hand unter ihre Bluse geschoben und ihr mit der anderen sanft am Oberschenkel entlang gestreichelt, dass es ihr heiß und kalt den Rücken hinunterlief. Weil sie ihm aber nicht zeigen wollte, wie sehr sie das anmachte, und krampfhaft versucht hatte, kühl und reserviert zu bleiben, hatte er schließlich von ihr abgelassen, hatte ihr lächelnd in die Augen gesehen und sie aussteigen lassen.

Einige Tage später – sie lag gerade in ihrem Zimmer auf dem Bett und büffelte Biologie – hatte gegen acht Uhr abends das Telefon geklingelt, was um diese Zeit so gut wie nie vorkam. Die Mutter hatte den Hörer abgenommen und vom Gang aus mit einem fragenden Unterton in der Stimme in ihr Zimmer gerufen, ein gewisser Tim wolle sie sprechen. Da war sie erschrocken aufgesprungen und zum Telefon gelaufen. Sie hatte ihn ein wenig zappeln lassen und sich erst im letzten Moment einen Ruck gegeben, um sich nicht sofort zu verraten und ihm zu zeigen, wie sehr sie sich über seinen Anruf gefreut hatte. Er hatte zunächst lange um den heißen Brei herumgeredet, bis er endlich zur Sache gekommen war und gefragt hatte, ob sie sich nicht am Samstag treffen könnten. Gisela würde mit ihren Eltern nach Regensburg zu einer Erbtante fahren, die ihren achtzigsten Geburtstag feiere. Er hätte leider am Wochenende Dienst und könne deswegen nicht mitfahren. Im Übrigen interessiere ihn diese Familiengeschichte nicht besonders. Es hatte nicht sehr überzeugend geklungen, was er da von sich gab. Aber es hatte sie amüsiert, wie er sich wand. Sie hatte nicht sofort zugesagt. Erst als er einige Tage später erneut angerufen hatte, hatte sie sich schließlich mit ihm verabredet.

Er hatte sie abgeholt und war, ohne sie zu fragen, einfach nach Königswehr gefahren, wo sie zunächst ins Vietnam gegangen waren. In der dunklen Rockbar waren vorwiegend Schwarze gesessen oder hatten frei getanzt. Gegen Mitternacht waren sie dann in seine kleine Wohnung gefahren, wo sie voller Lust miteinander geschmust hatten und wo sie sich ihm schließlich hingegeben hatte. Tim war der erste Mann, mit dem sie schlief. Es hatte allerdings nicht die erträumte Verzückung in ihr ausgelöst. Aber das sei beim ersten Mal häufig so, hatte sie in der Bravo gelesen. Tim war unglaublich zärtlich und süß.

An diesem Abend hatte sie sich jedenfalls restlos und mit Haut und Haaren in ihn verliebt. Und das hatte er auch gemerkt. Seitdem trafen sie sich fast jede Woche. Immer heimlich und mit größter Vorsicht, um nicht von jemand, der sie kannte, gesehen zu werden. Wie hätte sie Heidi unter die Augen treten sollen, hätte die Freundin von der Affäre erfahren?

Josef K. Pöllath: Verletzte Herzen. Roman. Taschenbuch. Tolino Publishing. München 2024 und eBook. 522 Seiten. eBook 4,99 €, TB 19,99 €, zu beziehen in jeder Buchhandlung oder zum Beispiel über Thalia oder Hugendubel. ISBN 978-3-759205865

Abbildung Eingang © www.pexels.com/marcelochagas



Josch 27.06.2024, 14.34

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