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Warum ich kein Skifahrer bin und lieber ein Museum besuche

Wenn ich als Nichtskifahrer meine skifahrende Familie in ein reines Ski-Gebiet begleite, obwohl mich weder Langlauf noch Après-Ski reizen, muss ich mir bereits im Vorfeld Gedanken machen, was ich in den verschneiten Bergen eigentlich will. Und ich muss mich auf mitleidige Blicke der Skifahrer einstellen, wenn ich ohne Skiausrüstung und nicht in modische Skikleidung gewandet an einer Gondel-Talstation stehe, um das emsige Treiben der Skihasen und ihrer Testosteron gesteuerten männlichen Begleiter staunend zur Kenntnis zu nehmen.

Warum ich nicht Ski fahre

Man braucht schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, um dabei nicht in Depressionen zu verfallen. Manchmal wird man auch von fremden Menschen gefragt, ob dieses Treiben am Skihang, an der Schnapshütte und am Lift nicht Lust aufs Skifahren mache. Nein, nicht wirklich. Warum nicht? Ich habe als 15-jähriger Schüler einen fünftägigen Skikurs mitgemacht, weitab von der Heimat. Knapp 90 Schüler in einer riesigen Jugendherberge, alle außer mir waren vor dem Kurs schon auf Skiern gestanden. Ich war also der einzige absolute Anfänger.

Über meine Angst, wenn ich am Hang oben stand und nicht wusste, wie ich da hinunter kommen sollte, haben sich viele lustig gemacht. Die Lehrer führten sich eher wie Feldwebel bei der militärischen Grundausbildung auf. Man konnte gar nicht genug erniedrigt werden. Ich bin lieber mit dem Lift den Berg hochgefahren als auf den Skiern den Hang hinunter. Und ich habe mich unglaublich geschämt und geniert. Denn ich konnte mit niemandem über meine Angst sprechen. Als Konsequenz bekam ich im nächsten Zeugnis in Sport eine Fünf, was sogar meinen Klassleiter auf die Palme brachte, da sich, wie er argumentierte, die Leistung in einem Fach von einem Halbjahr zum nächsten nicht um drei Noten verschlechtern könne. Seinem Einspruch verdankte ich es, dass diese Note revidiert werden musste. Über den Grund meiner schlechten Note und über meine Angst konnte ich allerdings auch mit ihm nicht sprechen. So war das damals.

Mir jedenfalls hat dieses Erlebnis das Skifahren gründlich verleidet. Ich stellte mich nie wieder auf Skier. Auch nicht, obwohl ein-, zwei Jahrzehnte später so mancher Freund und manche Freundin mich dazu überreden wollten und mich bestimmt sensibel und verständnisvoll das Skifahren gelehrt hätten. Ich blieb ein konsequenter Nichtskifahrer. Gern gönne ich all den Skifahrern ihre Freude.

 

Warum mich ein Motorradmuseum fasziniert

Wenn ich also heute trotzdem meine Familie in den Skiurlaub begleite, freue ich mich auf Schneewanderungen, auf Saunieren, Lesen oder Museumsbesuche, sofern es solche im Skigebiet gibt, wie zum Beispiel in Hochgurgl, wo es das Top Mountain Museum gibt, dessen imposante Architektur ich faszinierend finde. Das Motorradmuseum auf 2150 Meter ü. M. lässt die Herzen der Biker höher schlagen. Zwar gibt es auch einige Autos, Militärfahrzeuge, Transporter und edle Sportautos, das Gros der Exponate aber stellen Motorräder aus der ganzen Welt dar. Für mich, der ich viele Jahre Biker war, ist dieses Museum eine Offenbarung. Es zeigt eindrucksvoll, was sich technisch von den allerersten Motorrädern Ende des 19. Jahrhunderts bis herauf in die Jahre 2012/13 getan hat. Im Top Mountain Museum gibt es Motorräder aus den USA, aus Großbritannien, Italien, Frankreich, Russland, der DDR, aus Deutschland und aus Spanien. Wenn man heute eine BMW-Isetta, einen Kabinenroller von Messerschmidt oder einen VW-Transporter aus den frühen 1950er-Jahren mit den Fahrzeugen vergleicht, die heute die Straßen verstopfen, staunt man immer wieder, wie klein die damaligen Fahrzeuge doch waren. Wie mir eine Freundin erzählte, fand ihre ganze Familie – immerhin vier Kinder und Eltern – in einem VW-Käfer Platz. Das ist für manch dreiköpfige Familie von heute unvorstellbar, findet diese doch sogar einen Porsche Cayenne für drei Personen viel zu eng. Ganz zu schweigen von der Motorleistung. Damals kam ein Auto mit 10 PS aus. Wie diese Motoren es dennoch geschafft haben, vollgepackt von Deutschland über schmale Pässe nach Italien zu kommen, das ist für uns Heutige nicht mehr nachzuvollziehen. Und dennoch hat es geklappt.

 

Ein Fazit

Und damit bin ich wieder bei der Einstiegsfrage: So wie man es sich heute kaum mehr vorstellen kann, wie damals sogenannte Pädagogen mit Anfängern im Schnee umgingen, so kann man es sich heute nicht mehr vorstellen, dass eine dreiköpfige Familie mit einem Sieben-PS-Motorrad mit Beiwagen ans Ziel kam, langsamer halt als heute. Aber man kam ans Ziel. Welche Auswirkungen jedoch militärischer Sportdrill haben kann, ja, dass dieser sogar Traumata auslösen kann, darüber haben sich die Pädagogen damals mit Sicherheit keine Gedanken gemacht. Wozu auch? Da muss der Schüler einfach durch ... So einfach ist das. Und deswegen stehe ich manchmal staunend an einer Skipiste und schaue wie ein Voyeur den Menschen bei ihren Vergnügungen auf der Skipiste und in der Schnapshütte zu.

Josch 04.03.2017, 21.21

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