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Wirklichkeit sehen und beschreiben

Kann Literatur Verhalten ändern?

Mein Hauptinteresse gilt – seit ich vernünftig denken kann – der Literatur. Viele Jahre habe ich mich mit Stefan Zweig, Arthur Schnitzler, Jakob Wassermann, Oskar Maria Graf – leider auch mit Ludwig Thoma – mit Stefan Heym und in besonderer Weise mit Lion Feuchtwanger beschäftigt. Dazu kam eine Reihe höchst interessanter amerikanischer Autoren, wie zum Beispiel Edith Wharton, James Baldwin, Harper Lee, Truman Capote, John Williams, Maya Angelou, Kent Haruf, Richard Powers, Donna Tartt, Hanya Yanagihara und vielen anderen. Ihr Schaffen zeigt eine kritische Haltung gegenüber fragwürdigen gesellschaftlichen Erscheinungen und Fehlentwicklungen.

Abbildung: Ein Licht geht auf



Warum ich Literatur-Podcaster geworden bin

Nicht umsonst bin ich daher vor fast zwei Jahren unter die Literatur-Podcaster gegangen. Im Podcast stelle ich Autoren und ausgewählte Werke vor, die mir wichtig sind. Bei mir geht es nicht um Neuerscheinungen, sondern um viele bereits hinreichend rezensierte Bücher, die von bleibendem Wert sind, die erwiesenermaßen zum Kanon hochstehender Literatur gezählt werden.

Warum allerdings Lion Feuchtwanger im Westen nicht die literaturwissenschaftliche Anerkennung bekam, wie zum Beispiel Klaus Modick schon vor vielen Jahren monierte, ist mir ein Rätsel. Obwohl Feuchtwanger zu den meistgelesenen deutschen Autoren im Ausland zählte, kam er in meinem Studium nicht vor. Dabei könnte uns zum Beispiel Erfolg, das erste Buch seiner Wartesaal-Trilogie, zeigen, wie man in Bayern schon vor über hundert Jahren Politik gemacht und dem Nationalsozialismus nicht nur Tür und Tor geöffnet, sondern den "wahren Deutschen" den roten Teppich ausgelegt hat. Fast wie im richtigen Leben heute.

 

Der Roman Erfolg und seine Parallelen zur Gegenwart

Für mich gibt es nichts Wichtigeres als die politische Großwetterlage, angefangen vom orangefarbenen Edelnarzissten in den USA, über den mit Eurogeldern gut alimentierten Ungarn,  bis hin zur AfD, die nicht nur unsere Freiheit und unsere Demokratie, sondern auch unseren Wohlstand und unseren wirtschaftlichen Erfolg bedroht. Da haben wir sie schon, die Parallelität der Ereignisse. Wie die Geschichte damals endete, ist hinreichend bekannt. Unter den Folgen leiden wir bis heute. 60 Millionen Menschen mussten ihr Leben für diesen Irrsinn lassen!

Woran liegt es, dass immer mehr Menschen den falschen Versprechungen der Rechtspopulisten erliegen? Wie kann es sein, dass sich ein sogenannter Historiker ungestraft in Wortwahl und Gebaren wie ein nationalsozialistischer Gauleiter aufführen darf? Ich fasse es nicht. Es kann doch nicht nur an den sozialen Medien liegen, an den Fake News, an den traditionellen konservativen Parteien, für die das Bündnis 90/die Grünen einen schlimmeren Feind darstellen als die Rechtspopulisten. Wie verblendet muss man da sein?

 

Gegen siebenhundert amtlich bekannt gewordene Hochverräter des Rechtsputsches wurde eine Gesamtstrafe von fünf Jahren Haft ausgesprochen. Gegen die hundertzwölf amtlich bekannt gewordenen Hochverräter des Linksputsches wurde eine Gesamtstrafe von vierundachtzig Jahren und acht Monaten Einsperrung sowie von zwei Erschießungen verhängt (aus: Feuchtwanger, Erfolg).

 

"Erfolg ist ein Gesellschaftsroman, der, und das verweist auf die Dimension dieses Buches (gemeint ist Erfolg, Anm. d. Verf.), im Unterschied zu seinem Vorbild im 19. Jahrhundert nicht die Wirklichkeit einer Klasse, sondern das Panorama einer ganzen, nämlich der bayerischen Gesellschaft erfasst" (Reinhold Jaretzky: Lion Feuchtwanger. RoRoRo, S. 60).

Feuchtwanger und sein Œvre sind mir so wichtig, dass wir unserem Sohn seinen Vornamen gaben. Und dieses Œvre lässtmich bis heute nicht los. Daher wird es auch in den nächsten drei Episoden meines Podcasts LeseLust um die Wartesaal-Trilogie gehen.

 

Die Wartesaal-Trilogie

Es lohnt sich nach wie vor, sich mit diesen drei Romanen zu beschäftigen, auch heute noch, fast hundert Jahre nach Erscheinen von Erfolg. Und es wäre wichtig, wenn möglichst viele Menschen, auch zum Beispiel der gegenwärtige bayerische Ministerpräsident diese Romane lesen würde. Ich glaube zwar nicht, dass sich dadurch sein Verhalten und seine öffentlichen Reden wesentlich ändern würden, aber vielleicht könnte das Buch leise Zweifel in ihm auslösen. Was schon ein riesiger Erfolg wäre. Und es wäre der erste Schritt gegen die zunehmende rechtspopulistische Radikalisierung unserer Gesellschaft.

Lion Feuchtwanger: Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz. Aufbau Taschenbuch.

Abbildung © Pexels.com/asumaani

Josch 22.02.2026, 15.03

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