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Erfolgsfaktor Zweifel

Die positive Kraft des Zweifelns

Das Thema „Zweifel“ ist ein Leitmotiv dieses Blogs. Zweifel ist mein stiller Lebensbegleiter, seit ich reflektiert denken kann, wie ich vor einigen Monaten schon in meinem Blogbeitrag „Zweifel frisst Selbstsicherheit“ beschrieben habe. Dass die positive Kraft des Zweifelns häufig massiv unterschätzt wird und dass hinter den größten Erfolgen häufig mehr Zweifel als geniale Geistesblitze stecken, hat Emanuel Koch in seinem Buch „Die positive Kraft des Zweifelns“, das im Econ Verlag erschienen ist, dargelegt. Der studierte Informatiker weiß, dass Computer nicht zweifeln, Menschen schon.



Koch reflektiert in seinem Buch unterschiedlichste Formen des Zweifelns und deckt kapitale Fehleinschätzungen sorgloser Selbstsicherheit auf, wo Zweifel angebracht gewesen wären. So beschreibt er am Beispiel der einstigen Weltmarke Kodak, wie mangelndes Zweifeln zum Absturz in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit geführt hat. Die Manager des Unternehmens, das über 120 Jahre die Fotoindustrie weltweit beherrschte und Margen von über 70 Prozent einfuhr, dessen Marktabdeckung in den USA bei 80 Prozent lag, waren sich zu sicher. Als der Kodak-Vizepräsident Don Strickland eine digitale Kamera entwickeln wollte, nahmen ihn seine Kollegen im Vorstand nicht ernst. Sie waren sich zweifelsfrei sicher, dass die digitale Fotografie keine Zukunft haben würde. Don Strickland verließ das Unternehmen und ging mit all den bis dahin bereits entwickelten Patenten und seinem gesamten Know-how zu Apple. So wurde bei Kodak zwar die erste Digitalkamera erfunden, doch Apple hat sie auf den Markt gebracht. Heute ist Kodak tot.


Die Unsicherheit umarmen

Warum machen Menschen diese Fehler? „Weil sie“, so Koch, „geblendet durch ihren Erfolg, nicht rechtzeitig zweifeln.“ Ein bemerkenswertes Beispiel, welch konstruktive Kraft im Zweifel steckt.

Koch plädiert fürs Zweifeln, wenn's am schönsten ist. Er meint damit, dass Zweifeln gerade dann am stärksten angebracht ist, wenn alles bestens läuft. Statt sich im Erfolg zu suhlen, ist es wichtig, innezuhalten und vermeintliche Sicherheiten in Zweifel zu ziehen.

„Durch Zweifeln bekommen wir die nötigen Wissens-updates, die wir zwingend brauchen“, so Koch. Aus meinem eigenen beruflichen Erfahrungsfeld kann ich dies nur unterstreichen. Da gibt es Entscheider, die ihre Kenntnisse über- und die Welt draußen unterschätzen. Koch versucht den Leser dafür zu sensibilisieren, nicht einfach unreflektiert Dinge zu denken und zu tun, die man schon immer gedacht und getan hat. „Wir sind uns oft zu sicher bei den Dingen, die wir kennen – aber unsere Kenntnisse sind veraltet“, so der Autor.

Resümee

Das Buch ist kein oberflächliches Plädoyer für die Unsicherheit. Es beschreibt die emotionale Seite des Zweifels ebenso wie die reflektierte und ambivalente Kraft der Selbstzweifel. Am Beispiel des Musicals Tabaluga zeigt Koch, wie Fritz Rau, einstiger Konzert- und Tourneeveranstalter, und Peter Maffay mit ihrer kreativen Kraft des Zweifelns aus einem beinahe zum Scheitern verurteilten Projekt einen überwältigenden Erfolg schufen. Koch folgert daraus: „Zweifel machen Entwicklungsprozesse flexibel.“

Sehr hilfreich und das Lesen erleichternd sind die zusammenfassenden Merksätze. Eine Aussage wie „Wer zweifelt, sorgt gut für die Welt“ oder „Unsicherheit ist ein Begleiter der Veränderung“ eignet sich gut als Notizzettel auf dem realen oder virtuellen Schreibtisch. Solche Lehrsätze helfen, die Sicherheit verleihende Arbeit zu unterbrechen und sich einige Minuten dem konstruktiven, kreativen Zweifel hinzugeben. Es hätte schon einen gewissen Reiz, könnte man das lesenswerte Buch für Führungskräfte in Politik und Wirtschaft zur Pflichtlektüre machen.


Emanual Koch: Die positive Kraft des Zweifelns. Econ Verlag. Berlin 2019.

ISBN 978-3-430-20270-1, 256 Seiten, 18,00 €

Das Buch gibt es auch als eBook.

Josch 21.02.2019, 11.12

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Kommentare zu diesem Beitrag

2. von Knut Kasimir

Ein wundervolles Buch... Macht Spaß zu lesen und,, macht,, was mit dir, was will man mehr.

vom 23.02.2019, 21.34
1. von Catherine Avak

Die Titelformulierung hätte mich nicht zum Lesen bewegt, aber Ihre Rezension. Danke, schon bestellt.

vom 21.02.2019, 11.38
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